Im buch heisst das neue Werk des englischen Wissenschaftsjournalisten Simon Singh

Kunst des Chiffrierens

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«Geheime Boschaften» heisst das neue Werk des englischen Wissenschaftsjournalisten Simon Singh. Er verfolgt darin auf unterhaltsame Weise «Die Kunst der Verschlüsselung von der Antike bis in die Zeiten des Internet». Das Buch ist jedoch mehr als nur eine Kulturgeschichte der Kryptographie.

Das Internet hat mit seinen unbestritten positiven Auswirkungen die Menschheit gleichzeitig auch der vom englischen Schriftsteller Aldous Huxley geträumten negativen Utopie einer «Schönen neuen Welt» näher gebracht. Die Digitaltechnik hat nicht nur die Kommunikation beschleunigt, sondern auch potentiellen Überwachern die Mittel an die Hand geliefert, elektronische Mitteilungen abzufangen und zu lesen. Zum Beispiel das internationale Echolon-Programm: Seine Abhöranlagen für den Satellitenfunk stellen in der westlichen Welt den grössten Angriff auf die Privatsphäre dar. Die Verwendung eines im Echolon-Index geführten Stichworts kann selbst unbescholtene Privatpersonen in Verdacht stürzen.Schutz davor böte eine starke Verschlüsselung der elektronischen Kommunikation.

imagesDie dazu von Bürgerrechtlern und Strafverfolgern geäusserten Meinungen sind allerdings nicht kompatibel, und in der Kryptographie-Politik ist das letzte Wort noch lange nicht gesprochen. «Entscheidend wird sein, wen die Öffentlichkeit am meisten fürchtet – die Kriminellen oder die Regierung», bringt Simon Singh auf den Punkt. In dieser Hinsicht spielt das Buch eine wichtige Rolle. Es ist nicht nur unterhaltend und informativ, sondern auch meinungsbildend.Singh zeichnet einerseits lustvoll die Geschichte der Kryptographie nach. An-dererseits will er den Lesern die Augen für ihre heutige Bedeutung öffnen. Sie ist es nämlich, die über die Entwicklung des digitalen Marktes und zunehmend auch über die Wahrung der Privatsphäre ent-scheiden wird.

Der amerikanische Bürgerrechtler Phil Zimmermann heizte die Diskussion an, indem er die Chiffrierung elektronischer Nachrichten durch kompli-zierte Software in eine benutzerfreundliche Version übersetzte und 1991 unter dem Titel «Pretty Good Privacy» der Allgemeinheit übers Internet zugänglich machte. Zimmermanns heute weltweit verbreitetes Programm macht es jedem möglich, sich des raffinierten Konzepts getrennter öffentlicher und privater Schlüssel zu bedienen, die für das Vertrauen in das Internet von Bedeutung sind.Doch auch die Entschlüssler vom staatlichen Forscher bis zum kriminellen Hacker sind weiterhin aktiv. Wenn Singh die Vermutung ausspricht, dass Quantencomputer – Maschinen, die potentiell in der Lage sind, alle heutigen Chiffren zu entschlüsseln – noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium sind, so gibt er gleichzeitig zu, dass er sich auch täuschen könnte. «Die einzigen Menschen, die mir meine Irrtümer nachweisen könnten», hält er fest, «sind dieselben, die nicht frei sind, es zu tun.»Simon Singh: Geheime Botschaften, Die Kunst der Verschlüsselung von der Antike bis in die Zeiten des Internet, Hanser, München 2000, 488 Seiten mit zahlreichen Abbildungen