Trotz UMTS kommt das Handy-TV erst in einigen Jahren für das breite Publikum

Warten auf das «Glotzofon»

5Mit jahrelanger Verzögerung erreicht die einst hochgejubelte, dann als Milliardengrab verschrieene dritte Mobilfunkgeneration die Privatanwender: Als erster Schweizer Telekomkonzern will die Swisscom laut Mobilfunk-Chef Carsten Schloter UMTS-Angebote fürs Weihnachtsgeschäft lancieren. Von Orange und Sunrise sind noch keine UMTS-Starttermine bekannt.

Bislang schwache Endgeräte

6Während das UMTS-Netz der Swisscom bereits seit Sommer läuft und eine UMTS-Notebook-Karte für Geschäftsleute seit Ende letzter Woche erhältlich ist, sind geeignete Handys das Damoklesschwert für einen baldigen Massenstart der dritten Mobilfunkgeneration. Bei den bisherigen Geräten ist die Batterie ruck, zuck leer, und die Bildschirme sind zu schwach, um schnelle Bewegungen scharf zu zeigen. Mit UMTS wird das Mobilfunknetz viel potenter: Statt mit bisher 30 bis 40 Kilobit pro Sekunde über GPRS sind mit UMTS Übertragungsraten von bis zu 384 KBit/s möglich. Dies bietet ganz neue Möglichkeiten wie beispielsweise Fernsehen am Handy. Ist das die Zukunft? «Nur teilweise», sagt Schloter. Zwar reiche die Bandbreite für die Übertragung von TV oder Videos in einer vernünftigen Qualität. Wenn aber 20 Leute gleichzeitig in einem Raum seien, sei die Kapazität ungenügend.Am Anfang werde das UMTS-Netz nur zu einem kleinen Teil ausgelastet sein. Aus diesem Grunde sei es nicht ausgeschlossen, dass die Swisscom noch in diesem Jahr mit Vollfernsehen starte, sagt Schloter. Später müsste mit steigender Kundenzahl allerdings das Angebot gedrosselt werden. Die Entwicklung müsse dann in Richtung kurze Inhaltsstücke gehen. So könnten für einige Franken eine Zusammenfassung der Tore eines Fussballspiels oder der Beginn eines Formel-1-Rennens heruntergeladen werden. «Da fehlen derzeit noch die Anbieter», sagt Schloter. Marktstudien hätten aber gezeigt, dass eine deutliche Mehrheit der Kunden Vollfernsehen will. Dafür brauche es allerdings höhere Netzkapazitäten.

TV-Sendemasten nötig

7Statt der für die Zweiweg-Kommunikation ausgelegten UMTS-Antennen müssen richtige TV-Sendemasten her. Digitales Fernsehen, welches normale TV-Geräte «aus der Luft» mit einer Dach- oder Zimmerantenne empfangen können (DVB-T), gibt es in der Schweiz derzeit erst im Engadin, Tessin und im Wallis. Diese zwölf Sendemasten senden derzeit Bilder in einer Qualität, die für TV-Geräte in Wohnzimmern gemacht ist. Für die heutigen Handys sind die Bilder rund 20-mal zu «fett». Auch die Frage der Verschlüsselung sei noch nicht gelöst und leistungsfähige Endgeräte fehlten, sagt Giovanni Conti von der Swisscom.Im nächsten Jahr wolle die Swisscom einen Pilotversuch mit digitalem TV für Handys (DVB-H) starten, sagt Conti. Dann werde man sehen, ob alle Mitspieler wie Inhaltsanbieter oder Endgerätehersteller mitzögen. Denn es geht um viel Geld: Alleine die Swisscom müsste ein paar hundert Millionen Franken investieren, um in der Schweiz flächendeckend DVB-H ausstrahlen zu können. Frühestens in drei Jahren sei mit einem Start des Massenmarkts zu rechnen.